Archiv

Jerry in der Kammer des Schreckens (Lucy)

"Ich muss sie darauf aufmerksam machen, dass sie einen Sitzplatz am NOTausgang haben. Im NOTfall sind sie verpflichtet, nach unserer Weisung zu handeln. Sind sie in der Lage, die Türe im NOTfall aus der Flugzeugwand zu hebeln?" Jerry wurde zum wiederholten male speiübel. Wo war die Kotztüte hingekommen! Nicht mal eine Kotztüte pro Sitzplatz hatte man berechnet und nun sollte er Schuld sein, wenn das Flugzeug wegen Sparmassnahmen in Turbulenzen geraten sollte und ihm die Kraft fehlen würde, diese Türe rauszuziehen und sie über die anderen 2 Sitznachbarn zu werfen.


"Ja!" Er konnte gerade selbst nicht verstehen, warum er ja gesagt hatte. Nun kam es schon wieder, diese unkontrollierte Zucken im rechten Auge. Automatisch kniff er es ein wenig zusammen, in der Hoffnung, die Bewegung ein wenig reduzieren zu können. Der Flugbegleiter schien dies nicht zu bemerken und ging zurück in den Küchenraum an Board.


War wohl klar, dass dies so kommen sollte, wenn Geizkragen Dagi die Reiseplanung in die Hände nahm. Jeder Euro, der bewusst gespart werden konnte, wurde wie ein Lottogewinn zelebriert! Jerry wollte nicht wissen, was für ein Hotelzimmer auf ihn wartete.

Endlich! Er war gelandet. Mit angstschweiss durchnässter Kleidung folgte er den Wegweisern, um an sein Gepäck zu gelangen. Sein Bauchtäschchen mit dem ganzen Bargeld war festgezurrt. Er fand diese Variante des Bargeldtransportes seit Jahren die beste und sicherste.


Pfffffff....Irgendwie bekam er gerade Atemprobleme. War das Täschchen zu fest angezogen oder hatte er eventuell nach der Landung etwas mit den Fingern berührt und sie danach nicht desinfiziert? War bakteriell verseuchtes Wasser im Spiel? War was in der Luft? Er hatte sich vorhin reflexartig weggedreht, als ihm ein Gegenüber einen spontanen Huster entgegnet hatte. Was konnte es sein? Das Augenzucken setzte wieder ein.


Ein Toilettenzeichen in sichtweite kam wie gerufen. Er verschwand in die nächste freie Kabine und schloss sich ein. Hatte ihn jemand verfolgt? Hatte jemand was bemerkt? Sah man ihm an, dass er so viel Geld dabei hatte? Als auch nach 10 Minuten keine fremden Geräusche ausserhalb der Toilette zu vernehmen waren, traute er sich den Gurt des Täschchens ein wenig zu lösen. Langsam konnte das Blut wieder fliessen. Gott tat das gut. Das stille Örtchen machte seinem Namen alle Ehre. Welch geniale Erfindung dies doch war. Wenn er wieder zu Hause sein würde, dann musste er herausfinden, wer sowas geniales Erfunden hat. Nach der Handdesinfektion verliess er den Raum.


Der Hotelcheck-in ging reibunglos über die Bühne. Was für ein Zimmer wartete auf ihn? Noch nie musste er in einem Hotel im Untergeschoss schlafen. Dagi hatte hier wohl 2 Lottosechser erhalten! -6 war auf der Anzeige zu lesen. Da hatte es wohl auch keine Fenster in seinem Schlafgemach. Wer braucht schon frische Luft? Es frohr ihn und die bereits trockenen Kleider wurden langsam aber sicher wieder feucht.... Es war stockfinster. Der Lichtsensor konnte ihn zuerst nicht wahrnehmen, da er mit seinen 1.62,5m unter der Durchschnittsgrösse von 1.70m. Nach mehreren kurzen Hochsprüngen in die Luft wurde es Licht.


Mit dem Gepäck rannte er zu seiner Zimmernummer so schnell er konnte. Wer weiss, vielleicht hatte Dagi hier ein Zimmer mit beschränkter Leistung gebucht und er hatte gerade die Strom-An-Stunde erwischt. Kaum war er im Zimmer drin, blies ihm ein kalter Wind von der Klimanalage um die Ohren. Auch dass noch. Er hoffte, diese Nacht zu überstehen und legte sich samt Kleider in sein Bett. Das Licht ging aus und er konnte es nicht fassen. Dagi hatte ihn tatsächlich in die Kammer des Scheckens verfrachtet. Ihm war zum weinen und seine Nase fing umgehend an zu triefen.

9.8.08 21:29, kommentieren