Neuzeitlicher Schulbetrieb oder was es mit der Schule auf sich hat (Drew)

Ein Gong ertönt. Das ist das Signal, dass die Pause vorbei ist. Noch haben sich nicht alle daran gewöhnt, dass wir unseren Geschäftszweck rückwirkend per 1. Januar grundlegend überdacht und neuen Gegebenheiten angepasst haben.

In einer bewegenden Rede vor dem ganzen Mitarbeiterstab (nun Lehrpersonal) erläuterte uns der bisherige CEO (neu: Rektor der Schule) die Absichten und damit verbundenen Veränderungen.

“Sentimentale Gründe haben uns dazu bewogen des ursprünglichen Daseinszweckes dieses wunderschönen Jugendstilgebäudes zu gedenken. Und wir haben im Verwaltungsrat einstimmig beschlossen, es für eben jenen Zweck zukünftig wieder zu benutzen. Back to the roots. Und nochmals: Back to the roots”.

Tosender Applaus setzte ein.

Er fuhr fort: “Bei unserer Vision einer modernen Schule gibt es noch einige Lücken, aber die grundlegenden Pläne stehen fest.

So möchten wir im obersten Stockwerk - analog zu den guten alten Zeiten des Schulhauses - die Theatergruppe ansiedeln. Das Dach ist seit je her ein bestens geeigneter Platz für die eher brotlose Kunst der Drehbuchautoren, Regisseure und Maskenbildner. Wer das Orchester und den Chor leitet, ist jedoch noch nicht ganz geklärt.

Im nächsten Stockwerk wird Geographie, Psychologie, Wirtschaftslehre und Hauswirtschaft unterrichtet.

Eines der wichtigsten Stockwerk ist das darunter. Dort sitzt George, unser Französischlehrer. Einmal monatlich hat er einen Gastauftritt in der Hauswirtschaftsstunde und kocht französische Haute Cuisine. Ich bin sicher, dass wir für diesen Unterricht zukünftig immer die meisten Anmeldungen haben werden. Jeder will kochen mit George.” (George lächelte schelmisch, hielt den Kopf leicht schief und wurde etwas rot.)

“Im nächsten Stockwerk wird Informatik, Rechnungswesen, Kunst/Werken und Sozialkunde und Biologie angeboten.

Ganz unten haben wir noch unsere Sportabteilung. Aerobic, Pilates, Ballett und Yoga können in den komplett verglasten Räumlichkeiten unter professioneller Leitung ausgeübt werden.

Was sagen Sie dazu, liebe Kollegen?”

Ich muss nicht extra erwähnen, dass sich keiner Gedanken darüber gemacht hatte, wer diesen Unterricht in Anspruch nehmen sollte. Und so warten wir noch immer auf unseren ersten Schüler und unterrichten uns im Moment noch selbst - mit mässigem Erfolg. Lediglich die Theatervorstellungen haben einen gewissen Reiz, da sie sich voll und ganz dem Realismus verschrieben haben. 

15.3.09 11:21

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